Schachaufgabe des Tages

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Schach am Brett im Zeichen der Pandemie

Bericht von Klaus Löffelbein

Nach Monaten der schachlichen Inaktivität hatte ich mich für ein Seniorenturnier in Gladbeck angemeldet. Der folgende sehr subjektive Bericht soll auch weniger die schachliche Seite beschreiben als vielmehr das Drumherum.

Da die Stadt Gladbeck selbst die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte, waren die gegebenen Vorschriften ein guter Gradmesser. Bis zwei Tage vor Turnierstart hatte die Stadt noch die Direktive ausgegeben mit Mund- und Nasenschutz (Maske) zu spielen. Dies wurde dann aufgehoben. So trafen sich 12 Spieler, die jedoch mit der Situation völlig unterschiedlich umgingen. Ein Spieler spielte mit Handschuhen (weil er es aus seinem Verein so gewohnt war). Ab dem 2. Spieltag gab er diese Gewohnheit auf. An einem einzigen Brett spielten beide Spieler mit Maske; an allen übrigen Brettern wurde ohne Maske gespielt.

Der Raum hat einen großen Vorteil: er ist riesengroß und in normalen Zeiten könnten dort auch 64 Spieler antreten. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass außer einem gekippten Fenster nicht gelüftet werden kann.

Nun doch ein schachlicher Aspekt, der allerdings aus der Sicht eines Schiedsrichters. Mein Gegner eröffnete die Partie mit 1. d3. Mir schossen 2 Gedanken durch den Kopf: Nach 50 Jahren habe ich tatsächlich mal schon im 1. Halbzug eine neue Stellung auf dem Brett. Mein 2. Gedanke war, dass der Bochumer Spieler L. Nikolaiczuk einst so gegen den Exweltmeister Smyslov eröffnete. Die Partie ging weiter mit 1….d5 2. d4 c5 und es ergab sich das Damengambit mit vertauschten Farben. Lothar konnte die Partie tatsächlich remis halten. Kaum hatte ich jedoch diesen 2. Gedanken verarbeitet nahm mein Gegner (nächstes Jahr wird er 90. Ein wunderbarer Sport, der in diesem Alter gespielt werden kann) den Bauern wieder in die Hand und zog ihn nach d4 mit der Bemerkung, dass der Bauer natürlich dorthin gehört. Ich war etwas sprachlos und schaute mich um; aber natürlich hatte dies keiner beobachtet. Ich muss zugeben, dass ich bei meinen zahlreichen Schiedsrichtereinsätzen auch nicht darauf achte, ob möglicherweise im 1. Halbzug ein Regelverstoß erfolgt. Hätte ich protestieren können? Schon – aber mit welchem Erfolg. Denn da schoss mir eine andere Begebenheit aus der Weltspitze durch den Kopf. J. Polgar ging einst zum Schiedsrichter und meldete, dass Kasparov einen Springer berührt hatte, dann aber einen Zug mit einer anderen Figur gemacht habe. Kasparov leugnete dies und so musste Polgar klein beigeben. Später fand man eine Videoaufnahme die Polgars Reklamation als berechtigt nachwies. Außerdem: wer will schon gegen einen fast 90jährigen reklamieren?

Ich verlor die Partie dann ziemlich schnell, aber das steht auf einem anderen Blatt. Ich hatte schlicht nach sieben Monaten das Schachspiel verlernt. Erst konnte ich keinen Plan entwickeln (DWZ des Gegners um die 1500); dann wollte ich mit c7-c5 einen auf d4 postierten Springer vertreiben und hatte einfach die Möglichkeit des Schlagens e.p. nicht in Betracht gezogen. Figur und Partie waren futsch.

Zurück zu den Hygienevorschriften: ich hätte mir gewünscht, dass mein Gegner, der ohne Maske die Toilette aufgesucht hatte, sich anschließend doch mal die Hände desinfiziert. Ich hätte mir ferner gewünscht, dass kein Spieler aufsteht und (warum auch immer) sich nur die Hand vor das Gesicht hält. Das ist eben kontraproduktiv, da wir nur mit einem Brett spielen.

In der 2. Runde des Turniers verlor ich erneut und vermutlich war ich damit zum ersten Mal in meinem Leben nach 2 Runden alleiniger Tabellenletzter. So ist es wenn man sich nicht voll konzentriert. In dieser 2. Runde passte ich mich meinem Gegner an und spielte wie er mit Maske. An allen anderen Brettern wurde ohne Maske gespielt. Ich komme zu dem Schluss, dass dies nicht funktioniert. Mag sein, dass die verminderte Sauerstoffzufuhr reine Einbildung ist, aber auch das beeinträchtigt. Meine Konsequenz: nie wieder eine Turnierpartie mit Maske. Die diversen staatlichen Hygienevorschriften sehen dies bekanntlich auch nicht vor. Paradoxerweise hatte ich noch am Vormittag ohne Maske in einem Raum (noch deutlich kleiner als ein Viertel des Schachspielraumes) eines Fitnessstudios mit 7 anderen keuchenden Läufern auf einem Laufband gestanden, was die Maske beim Schach völlig ad absurdum geführt hat. 

Die 3. Runde musste ich verlegen, da ich zum gleichen Zeitpunkt in Duisburg Schiedsrichter ausbilde. Dann gibt es eine Partie in Privaträumen und natürlich ohne Maske. Übrigens gegen einen Gegner, der mit den im SVR traditionell am Sonntag stattfindenden Mannschaftsturnieren seine Probleme hat, da er stets am Sonntag arbeiten muss. Die Predigt in der Kirche ist zu halten. 

Parallel zu diesem Seniorenturnier nehme ich an einer Schnellschach-Turnierserie der SG Höntrop teil. Dort wird mit Maske und mit Handschuhen gespielt. Also absolut übervorsichtig im Vergleich zu anderen Sportarten, bei denen mit Körperkontakt und ohne Maske und ohne Handschuhe gespielt wird. Auch wenn sogar Spieler aus dem Sauerland kamen mit einer eher enttäuschenden Besetzung.

Sollte ich also mal angesteckt werden, dann vielleicht beim Laufen oder beim Badminton, aber Schach scheint mir schon eine relativ sichere Angelegenheit zu sein. In diesem (hygienischen) Sinne berichte ich dann von unserem Vereinsspielabend, der ab 2.10. wieder kontinuierlich stattfinden soll.

Nächster Vereinsabend

Freitag, 23. Oktober im CVJM-Heim

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