{"id":9318,"date":"2020-09-22T19:34:23","date_gmt":"2020-09-22T18:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sc-gerthe-46werne.de\/?p=9318"},"modified":"2020-09-22T19:34:23","modified_gmt":"2020-09-22T18:34:23","slug":"schach-am-brett-im-zeichen-der-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sc-gerthe-46werne.de\/?p=9318","title":{"rendered":"Schach am Brett im Zeichen der Pandemie"},"content":{"rendered":"<p><u>Bericht von <strong>Klaus L&ouml;ffelbein<\/strong><\/u><\/p>\n<p>Nach Monaten der schachlichen Inaktivit&auml;t hatte ich mich f&uuml;r ein Seniorenturnier in Gladbeck angemeldet. Der folgende sehr subjektive Bericht soll auch weniger die schachliche Seite beschreiben als vielmehr das Drumherum.<\/p>\n<p>Da die Stadt Gladbeck selbst die R&auml;umlichkeiten zur Verf&uuml;gung gestellt hatte, waren die gegebenen Vorschriften ein guter Gradmesser. Bis zwei Tage vor Turnierstart hatte die Stadt noch die Direktive ausgegeben mit Mund- und Nasenschutz (Maske) zu spielen. Dies wurde dann aufgehoben. So trafen sich 12 Spieler, die jedoch mit der Situation v&ouml;llig unterschiedlich umgingen. Ein Spieler spielte mit Handschuhen (weil er es aus seinem Verein so gewohnt war). Ab dem 2. Spieltag gab er diese Gewohnheit auf. An einem einzigen Brett spielten beide Spieler mit Maske; an allen &uuml;brigen Brettern wurde ohne Maske gespielt.<\/p>\n<p><!--more-->Der Raum hat einen gro&szlig;en Vorteil: er ist riesengro&szlig; und in normalen Zeiten k&ouml;nnten dort auch 64 Spieler antreten. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass au&szlig;er einem gekippten Fenster nicht gel&uuml;ftet werden kann.<\/p>\n<p>Nun doch ein schachlicher Aspekt, der allerdings aus der Sicht eines Schiedsrichters. Mein Gegner er&ouml;ffnete die Partie mit 1. d3. Mir schossen 2 Gedanken durch den Kopf: Nach 50 Jahren habe ich tats&auml;chlich mal schon im 1. Halbzug eine neue Stellung auf dem Brett. Mein 2. Gedanke war, dass der Bochumer Spieler L. Nikolaiczuk einst so gegen den Exweltmeister Smyslov er&ouml;ffnete. Die Partie ging weiter mit 1&hellip;.d5 2. d4 c5 und es ergab sich das Damengambit mit vertauschten Farben. Lothar konnte die Partie tats&auml;chlich remis halten. Kaum hatte ich jedoch diesen 2. Gedanken verarbeitet nahm mein Gegner (n&auml;chstes Jahr wird er 90. Ein wunderbarer Sport, der in diesem Alter gespielt werden kann) den Bauern wieder in die Hand und zog ihn nach d4 mit der Bemerkung, dass der Bauer nat&uuml;rlich dorthin geh&ouml;rt. Ich war etwas sprachlos und schaute mich um; aber nat&uuml;rlich hatte dies keiner beobachtet. Ich muss zugeben, dass ich bei meinen zahlreichen Schiedsrichtereins&auml;tzen auch nicht darauf achte, ob m&ouml;glicherweise im 1. Halbzug ein Regelversto&szlig; erfolgt. H&auml;tte ich protestieren k&ouml;nnen? Schon &ndash; aber mit welchem Erfolg. Denn da schoss mir eine andere Begebenheit aus der Weltspitze durch den Kopf. J. Polgar ging einst zum Schiedsrichter und meldete, dass Kasparov einen Springer ber&uuml;hrt hatte, dann aber einen Zug mit einer anderen Figur gemacht habe. Kasparov leugnete dies und so musste Polgar klein beigeben. Sp&auml;ter fand man eine Videoaufnahme die Polgars Reklamation als berechtigt nachwies. Au&szlig;erdem: wer will schon gegen einen fast 90j&auml;hrigen reklamieren?<\/p>\n<p>Ich verlor die Partie dann ziemlich schnell, aber das steht auf einem anderen Blatt. Ich hatte schlicht nach sieben Monaten das Schachspiel verlernt. Erst konnte ich keinen Plan entwickeln (DWZ des Gegners um die 1500); dann wollte ich mit c7-c5 einen auf d4 postierten Springer vertreiben und hatte einfach die M&ouml;glichkeit des Schlagens e.p. nicht in Betracht gezogen. Figur und Partie waren futsch.<\/p>\n<p>Zur&uuml;ck zu den Hygienevorschriften: ich h&auml;tte mir gew&uuml;nscht, dass mein Gegner, der ohne Maske die Toilette aufgesucht hatte, sich anschlie&szlig;end doch mal die H&auml;nde desinfiziert. Ich h&auml;tte mir ferner gew&uuml;nscht, dass kein Spieler aufsteht und (warum auch immer) sich nur die Hand vor das Gesicht h&auml;lt. Das ist eben kontraproduktiv, da wir nur mit einem Brett spielen.<\/p>\n<p>In der 2. Runde des Turniers verlor ich erneut und vermutlich war ich damit zum ersten Mal in meinem Leben nach 2 Runden alleiniger Tabellenletzter. So ist es wenn man sich nicht voll konzentriert. In dieser 2. Runde passte ich mich meinem Gegner an und spielte wie er mit Maske. An allen anderen Brettern wurde ohne Maske gespielt. Ich komme zu dem Schluss, dass dies nicht funktioniert. Mag sein, dass die verminderte Sauerstoffzufuhr reine Einbildung ist, aber auch das beeintr&auml;chtigt. Meine Konsequenz: nie wieder eine Turnierpartie mit Maske. Die diversen staatlichen Hygienevorschriften sehen dies bekanntlich auch nicht vor. Paradoxerweise hatte ich noch am Vormittag ohne Maske in einem Raum (noch deutlich kleiner als ein Viertel des Schachspielraumes) eines Fitnessstudios mit 7 anderen keuchenden L&auml;ufern auf einem Laufband gestanden, was die Maske beim Schach v&ouml;llig ad absurdum gef&uuml;hrt hat.&nbsp;<\/p>\n<p>Die 3. Runde musste ich verlegen, da ich zum gleichen Zeitpunkt in Duisburg Schiedsrichter ausbilde. Dann gibt es eine Partie in Privatr&auml;umen und nat&uuml;rlich ohne Maske. &Uuml;brigens gegen einen Gegner, der mit den im SVR traditionell am Sonntag stattfindenden Mannschaftsturnieren seine Probleme hat, da er stets am Sonntag arbeiten muss. Die Predigt in der Kirche ist zu halten.&nbsp;<\/p>\n<p>Parallel zu diesem Seniorenturnier nehme ich an einer Schnellschach-Turnierserie der SG H&ouml;ntrop teil. Dort wird mit Maske und mit Handschuhen gespielt. Also absolut &uuml;bervorsichtig im Vergleich zu anderen Sportarten, bei denen mit K&ouml;rperkontakt und ohne Maske und ohne Handschuhe gespielt wird. Auch wenn sogar Spieler aus dem Sauerland kamen mit einer eher entt&auml;uschenden Besetzung.<\/p>\n<p>Sollte ich also mal angesteckt werden, dann vielleicht beim Laufen oder beim Badminton, aber Schach scheint mir schon eine relativ sichere Angelegenheit zu sein. In diesem (hygienischen) Sinne berichte ich dann von unserem Vereinsspielabend, der ab 2.10. wieder kontinuierlich stattfinden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von Klaus L&ouml;ffelbein Nach Monaten der schachlichen Inaktivit&auml;t hatte ich mich f&uuml;r ein Seniorenturnier in Gladbeck angemeldet. Der folgende sehr subjektive Bericht soll auch weniger die schachliche Seite beschreiben als vielmehr das Drumherum. 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