{"id":5630,"date":"2015-07-06T20:42:11","date_gmt":"2015-07-06T18:42:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sc-gerthe-46werne.de\/?p=5630"},"modified":"2015-07-06T21:19:35","modified_gmt":"2015-07-06T19:19:35","slug":"dortmund-ein-schachturnier-im-wandel-der-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sc-gerthe-46werne.de\/?p=5630","title":{"rendered":"Dortmund: Ein Schachturnier im Wandel der Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>Am diesj&auml;hrigen <strong>Sparkassen-Open in Dortmund <\/strong>nahmen aus unserem Verein <strong>Dirk Topolewski<\/strong> und<strong> Josef Mrowetz<\/strong>&nbsp;teil. In der <a href=\"http:\/\/www.scm-open.de\/Open\/A\"><u>A-Gruppe<\/u><\/a> spielte<strong> Dirk<\/strong> zu Beginn stark auf und erreichte &#8211; nach Abbrechen des Turniers aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden &#8211; 4,5 Punkte. Josef schlug sich tapfer im <u><a href=\"http:\/\/www.scm-open.de\/Open\/B\">B-Open<\/a><\/u>, wurde aber nur mit 1,5 Punkten belohnt. Nach dem Turnier nahm sich <strong>Dirk<\/strong> die Zeit, einen ausf&uuml;hrlichen Bericht zu schreiben:<\/p>\n<p>Anno 1980 nahm ich zum ersten Mal am Open der Dortmunder Schachtage teil. Seinerzeit gab es (zum Gl&uuml;ck) noch nicht so viele Autos und so fand man ohne M&uuml;he einen Parkplatz in der N&auml;he des Spiellokals. Selbiges war die Ausstellungshalle im Dortmunder Westfalenpark, ein wirklich traumhaftes Ambiente. Das Open fand im gleichen Raum wie das GM-Turnier statt. F&uuml;r dieses wurden 12 Spieler eingeladen: Weltklasse-Gro&szlig;meister, aufstrebende IM&acute;s und Lokalmatadoren, bunt gemischt. Die Nationalit&auml;t war damals noch nicht wichtig und es wurde spannendes Schach geboten. Wenn man die Halle verlie&szlig;, konnte man die Atmosph&auml;re des Westfalenparks genie&szlig;en. Der argentinische GM Campora hatte sich einmal (w&auml;hrend einer seiner Partien) an den Flamingo-Teich gesetzt und war von dem Anblick so fasziniert, dass er fast durch Zeit&uuml;berschreitung verloren h&auml;tte, wenn ihn der Turnierleiter nicht noch rechtzeitig aufgesp&uuml;rt h&auml;tte. Seinerzeit brauchte man auch noch keine Sorge zu haben, dass der Gegner, wenn er mal l&auml;nger als 5 Minuten den Turniersaal verlie&szlig;, in irgendeiner finsteren Ecke einen Pocket-Fritz oder Houdini befragen k&ouml;nnte&hellip; Im Open war die durchschnittliche Spielst&auml;rke der Teilnehmer deutlich niedriger als heutzutage, der Altersdurchschnitt daf&uuml;r aber h&ouml;her. Die st&auml;rksten Spieler h&auml;tten aber wohl allesamt einen IM-Titel gehabt, wenn seinerzeit die Teilnahme an mehr Normenturnieren m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Bierernst ging es auch nicht immer zu. In dem Zusammenhang f&auml;llt mir eine Anekdote ein, &uuml;ber welche seinerzeit in der Rochade berichtet wurde: &bdquo;Nach dem Genuss von 7 Flaschen guten Dortmund Biers setzte der Wattenscheider Sandkamp mit glasigem Blick, aber sicherer Hand, seinem Gegner Przewoznik drei verbundene Freibauern auf die 7. Reihe und n&ouml;tigte damit den polnischen IM zur Aufgabe!&ldquo;<br \/>\n\tZur&uuml;ck ins Jahr 2015: nach &uuml;ber 10j&auml;hriger Turnierabstinenz hatte ich mich mal wieder f&uuml;r das Open in Dortmund angemeldet. Nach l&auml;ngerem Abw&auml;gen, ob die Anreise per S-Bahn oder das eigene Kfz die bessere Alternative w&auml;ren, entschloss ich mich, mit dem Auto anzureisen. Als das Navi mich dann aber am vorletzten Samstag durch die Blechlawinen der &uuml;berf&uuml;llten Dortmunder Innenstadt lotste, kamen mir erste Zweifel, ob meine Entscheidung richtig gewesen war. Gegen alle meine sonstigen Gewohnheiten traf ich dann (zum Gl&uuml;ck) eine halbe Stunde zu fr&uuml;h am Spielort ein und ergatterte so einen der letzten freien Parkpl&auml;tze im Umfeld. Ca. 5 Minuten sp&auml;ter konnte ich dann eine Beinahe-Pr&uuml;gelei miterleben zwischen einem &auml;lteren Herrn und einer Anwohnerin, welche offenbar beide fast gleichzeitig den allerletzten freien Parkplatz angesteuert hatten. Obwohl der &auml;ltere Herr fast verzweifelt beschwor: &bdquo;Ich muss doch gleich Schach spielen!&ldquo; blieb die Dame hart und lie&szlig; sich nicht erweichen, den Platz zu r&auml;umen. <\/p>\n<p>\t<!--more-->Beim Anblick des Spiellokals bekam ich dann einen leichten Schock.&nbsp; Verw&ouml;hnt vom Ambiente der 70iger und 80iger Jahre hatte ich nicht damit gerechnet, dass es sich bei dem Fritz-Hen&szlig;ler-Haus um ein ehemaliges(?) und etwas herunter gekommenes Schulgeb&auml;ude handelt. Beim Anblick des Spielsaals war mein erster Gedanke: &bdquo;da wurden wohl vor kurzem noch die Abiturarbeiten geschrieben!&ldquo;. Zu Beginn der ersten Runde waren die Fenster noch ge&ouml;ffnet. Aber da in ca. 50 Metern Entfernung eine Hauptverkehrsstra&szlig;e verl&auml;uft, wurde das ewige Motorenger&auml;usch, Hupen, Presslufth&auml;mmern usw., irgendwann so st&ouml;rend, dass die Fenster geschlossen wurden. Bei Au&szlig;entemperaturen von 30, in sp&auml;teren Runden sogar fast 40 Grad Celsius, leider ein suboptimaler Zustand. Da ich mich im Laufe des Turnieres in die Spitzengruppe vorarbeiten konnte, kam ich dann gl&uuml;cklicherweise in den Genuss, in einem Extra-Raum spielen zu d&uuml;rfen, der den ersten 4 Brettern vorbehalten war. Die Veranstalter gaben sich alle M&uuml;he, stellten sogar einen gro&szlig;en Ventilator auf und verteilten kostenloses Wasser-Eis. Von Vorteil war sicher auch, dass im Gegensatz zu 1980, ein komplettes Rauchverbot im Geb&auml;ude herrschte. Eine weitere, positive Ver&auml;nderung: in den 70igern und 80igern galt noch die Redewendung: &bdquo;Die Mutter hat zwei T&ouml;chter. Die eine ist h&uuml;bsch, die andere spielt Schach!&ldquo;. Anno 2015 hingegen konnte man erstaunlich viele gut aussehende Damen unter den Teilnehmerinnen und Zuschauerinnen bewundern. Zur&uuml;ck zum sportlichen Aspekt: lt. den Veranstaltern war eine betr&auml;chtliche Zahl der Teilnehmer am Open B von den kurz zuvor stattfindenden NRW-Jugendmeisterschaften angereist. Dementsprechend niedrig war der Altersdurchschnitt bei diesem Turnier. &Auml;hnlich verhielt es sich beim OPEN A: viele Teilnehmer der deutschen Jugendmeisterschaft, der Jugendbundesliga, einige junge Spieler welche k&uuml;rzlich in der Seniorenbundesliga deb&uuml;tiert hatten, sowie andere die schon IM-Normen hatten, usw, usw. Nach meinen Beobachtungen war der typische Open-A-Teilnehmer ein Leistungssportler, zwischen 16 und 23 Jahren alt, schachlich hervorragend ausgebildet, ein sehr solider und korrekter Positionsspieler mit einem schmalen Er&ouml;ffnungsrepertoire aus gut ausgearbeiteten Hauptvarianten (e4 oder d4 mit Wei&szlig;, mit Schwarz z. B. Slawisch und Siz.-Najdorf). Das Feld wurde komplettiert von einigen Profis und Routiniers. Eine Reihe von Spielern aus den beiden letztgenannten Gruppen mussten am Ende des Turnieres deftige Elo- und DWZ-Verluste quittieren.<\/p>\n<p>\tAus Sicht des Vereins: Josef hatte im Open B eine der niedrigsten DWZ, schlug sich daf&uuml;r aber recht wacker. Mehr habe ich leider nicht mitbekommen, sorry. Mir gelangen 4 Siege (u.a. gegen den Sechsten und Achten des Endklassements) bei 2 Verlustpartien (gegen die Nr.3 und die Nr.7). Meine Endplatzierung ist sicher sehr unbefriedigend, aber immerhin schloss ich nach Punkten und Buchholzzahl gleichauf mit GM Starostis ab, welcher daf&uuml;r aber 3 gespielte Partien mehr ben&ouml;tigte als meine Wenigkeit. Vor der Schlussphase des Turnieres wurde ich durch einen veritablen Kreislaufkollaps (&bdquo;36 Grad und es wird immer hei&szlig;er!&ldquo;) au&szlig;er Gefecht gesetzt, so dass ich die letzten Runden leider verpasste. Bleibende Sch&auml;den sind nicht&nbsp; zu erwarten und falls ich noch mal bei einem Schachturnier unter subtropischen Bedingungen antreten sollte, w&uuml;rde ich sicher einiges anders handhaben. &Uuml;berhaupt ist ein gro&szlig;es Schachturnier am eigenen Wohnort nicht unbedingt das Optimale. Vor allem, wenn man tagt&auml;glich mit Problemen aus anderen Bereichen konfrontiert wird (Josef m&uuml;sste mich verstehen!). Das Open A sah am Ende f&uuml;nf punktgleiche Spieler in Front, wobei der belgische FM de Schampleheire mit Abstand die h&ouml;chste Buchholz-Wertung aufwies und nach meinen Eindr&uuml;cken hochverdient den ersten Platz belegte.<br \/>\n\tDas GM-Turnier wurde medientechnisch perfekt organisiert und inszeniert. Als Aufh&auml;nger diente in der Presse die Geschichte vom weltfremden Gro&szlig;meister, der angeblich immer rote Ampeln &uuml;bersieht und fast von der B&uuml;hne f&auml;llt. Eingeladen wurde u. a. die chinesische Ex-Weltmeisterin, wohl um den Medien wieder einmal die Story vom Kampf der Geschlechter pr&auml;sentieren zu k&ouml;nnen. Einige Kommentatoren h&auml;tten sich lieber deren Landsmann, den deutlich spielst&auml;rkeren Seriensieger diverser Open, GM Li Chao, gew&uuml;nscht. Statt 12 Teilnehmern (wie anno 1980) sind es seit einigen Jahren nur noch 8 (wohl aus Kostengr&uuml;nden). Von den allj&auml;hrlichen Dauerg&auml;sten beim GM-Turnier (Leko, Anand, Kramnik) wurde diesmal der Letztgenannte eingeladen.&nbsp; Dazu kamen, wie seit einigen Jahren &uuml;blich, drei Spieler mit deutschem Pass. Darunter der Ex-Rum&auml;ne Nisipeanu, welcher erst k&uuml;rzlich vom armen rum&auml;nischen zum reichen deutschen Schachverband gewechselt ist. Ebenfalls dabei war, wie in jedem Jahr, die Nr.1 der deutschen Rangliste, Arkadij Naiditsch. Gem. diversen Berichten im Web soll jener aber auch einen Wechsel der Nationalit&auml;t in Betracht ziehen und demn&auml;chst zum (noch) reicheren aserbaidschanischen Verband migrieren wollen. Ein Kommentator im Internet fand das auch gar nicht so schlimm, denn dann w&uuml;rde statt Naiditsch endlich mal ein anderer eingeladen werden. Bemerkenswert fand ich, mit welchem Patriotismus auf den Seiten des deutschen Schachbundes alle Erfolge der Alt- und Neu-Germanen (&bdquo;unser Liviu&ldquo; u. v. a. m.) gefeiert wurden. Aber auch beim Schach scheint offenbar der Nationalismus nun (wieder) eine immer gr&ouml;&szlig;ere Rolle zu spielen. Sehr positiv anzumerken ist der Kampfgeist der Gro&szlig;meister. Kaum ein Remis, daf&uuml;r &uuml;berraschend viele Schwarzsiege und Erfolge der Au&szlig;enseiter. Der Zuschaueransturm schien sich in Grenzen zu halten (ich war aber nur zweimal kurz beim GM-Turnier). Daf&uuml;r war die Resonanz in den Mainstream-Medien sehr positiv. Am Ende siegte der Elo-Favorit Caruana mit 1,5(!) Punkten Vorsprung und Kramnik erreichte nur 50%.<\/p>\n<p>\tNach meinen Eindr&uuml;cken haben bei den Dortmunder Schachtagen viele Idealisten sehr viel Zeit und M&uuml;he investiert und ein gro&szlig;es Event auf die Beine gestellt. Dass dabei nicht alles immer 100%ig perfekt sein kann, ist verst&auml;ndlich. Wenn sich z. B. einer der zahlreichen Schiedsrichter viel zu wichtig und etwas daneben benimmt, kann man dies den Veranstaltern kaum zur Last legen. Und die traumhafte Location im Westfalenpark (oder Vergleichbares) ist wohl einfach nicht (mehr) verf&uuml;gbar.<br \/>\n\tDie Rekord-Teilnehmerzahl bei den Open ist jedenfalls ein Indiz daf&uuml;r, dass die Veranstalter offenbar voll im Trend liegen und sehr vieles richtig gemacht haben.<br \/>\n\t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am diesj&auml;hrigen Sparkassen-Open in Dortmund nahmen aus unserem Verein Dirk Topolewski und Josef Mrowetz&nbsp;teil. In der A-Gruppe spielte Dirk zu Beginn stark auf und erreichte &#8211; nach Abbrechen des Turniers aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden &#8211; 4,5 Punkte. Josef schlug sich tapfer im B-Open, wurde aber nur mit 1,5 Punkten belohnt. 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